Tipps zur Vermittlung von Bo-Staff im Schulsport


Hinweise zu den Rahmenbedingungen
Um Bo-Staff in der Schule anbieten zu können, müssen nur wenige Voraussetzungen erfüllt sein. Bo-Staff ist ortsunabhängig und kann auf jeder beliebigen freien Fläche im Freien oder in der Halle ausgeübt werden. Falls vorhanden, lohnt es sich auch Spiegelflächen, wie Fensterfronten zu nutzen, um davor zu üben. Auf diese Art können die Schülerinnen und Schüler ihre Bewegungen direkt und selbstständig korrigieren.

Der Stab
Als Stab verwenden wir herkömmliche Aluminiumstangen (10-15mm Stärke) aus dem Baumarkt, die für circa fünf Euro zu erwerben sind. Diese sollten einen Durchmesser von ungefähr einem bis eineinhalb Zentimeter haben und der Körpergröße der Schülerinnen und Schüler entsprechen. Der Vorteil der Aluminiumstange – gegenüber beispielsweise einem Besenstiel aus Holz – ist das Gewicht, denn allgemein gilt: Je leichter der Stab ist, desto schneller und besser lässt er sich handhaben. Zudem kann es schmerzhaft sein, wenn man mit dem Besenstiel das eigene Schienbein trifft. Die Mitte des Stabes wird mit dem Finger ausbalanciert und mit einem Klebeband
markiert. Dies ist eine Erleichterung, um bei den Tricks das Gleichgewicht des Stabes schneller zu finden. In der AG stelle ich den Jugendlichen
einen Satz Stäbe zur Verfügung, gebe ihnen aber auch die Möglichkeit, einen eigenen Stab zu erwerben. Dies findet großen Anklang, denn so können die Schülerinnen und Schüler auch zu Hause üben und ihren Stab individuell gestalten (z. B . mit effektvoller Spiegelfolie).

Verwendung von Videos im Unterricht
Es lohnt sich den Schülern die Möglichkeit zu geben über einen Laptop in der Halle zu Beginn der Stunde, aber auch während der Stunde, Tricks und Lehrvideos anzuschauen. Beispiele hierfür finden sie unter der Rubrik MATERIAL.
Der Download von Youtube-Videos ist recht einfach. Sie benötigen hierfür lediglich 2 kostenlose Programme:

Das Programm "Free Youtube Download" zum herunterladen: http://www.chip.de/downloads/Free-YouTube-Download_34334309.html
Den FLV Player, um die Videos anschauen zu können: http://www.chip.de/downloads/FLV-Player_19318544.html

Der eigene Video-Clip
Das Drehen eines eigenen kleinen Filmes ist ein wesentlicher Aspekt von Bo-Staff und soll auch das Ziel meiner Bo-Staff AG sein. Die aufgenommenen Filmsequenzen können schnell und einfach mithilfe von kostenlosen Videobearbeitungsprogrammen zu einem Film zusammengefügt werden. Der bei Windows mitgelieferte Microsoft Moviemaker ist vollkommen ausreichend. Möchte man etwas professioneller und konfortabler arbeiten, bietet sich der ulead video editor oder das corel videostudio an. Beide können auch gratis als 30-Tage-Versionen
getestet werden (download bei www.chip.de).
Im Rahmen einer Computer AG oder des Informatikunterrichtes könnte es eine gute Gelegenheit sein, um fächerverbindend einen entsprechenden Film zu erstellen. Am Ende eines Halbjahres erfolgt als großes Highlight die Vorführung des eigenen Bo-Staff-Films, den die Schülerinnen und Schüler mit selbstentworfenen Plakaten und Flyern in der Schule mit großem Stolz bewerben.

Welche Regeln sind wichtig?
Da auch der leichte Aluminiumstab ein potenzielles Gefährdungsrisiko in sich birgt, ist es notwendig, mit den Schülerinnen und Schülern besondere Regeln zu vereinbaren:
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Wenn die eigenen Stäbe mit nach Hause genommen und zum Unterricht wieder mitgebracht werden, ist die Abgabe des Stabes vor Schulbeginn beim Hausmeister oder im Sekretariat eine Möglichkeit, Problemen in Pausen vorzubeugen.

Beim Üben der Tricks ist auf ausreichend Abstand zwischen den Teilnehmern zu achten, um versehentliche Treffer zu vermeiden.

Zudem soll der Stab immer senkrecht getragen werden. – Auch auf dem Schulgelände und dem Schulweg dürfen anderen Jugendlichen keine Tricks gezeigt werden1.
Hinweise zur Vermittlung von Bo-Staff

Die ersten Unterrichtsstunden
Aufgrund der Verwandtschaft von Bo-Staff zu asiatischen Kampfkünsten bietet es sich an, Rituale für den Unterricht zu nutzen. So können sich die Schülerinnen und Schüler beispielsweise zu Beginn der Stunde auf eine besondere Art und Weise mit dem Stab begrüßen, um sich auf das Üben einzustimmen. Auch das gemeinsame Zuschneiden und Verzieren des Stabes in der Gruppe sind sinnvoll: Damit entwickeln die Jugendlichen einen ganz besonderen Bezug zu ihrem eigenen Stab und lernen durch die Bearbeitung und das Ausbalancieren die Beschaffenheit des Stabes näher kennen. Grundlagen schaffen – Sich vertraut machen mit dem Stab, mögliche Bewegungen und erste Filmarbeit.
In den ersten Stunden stehen das Kennenlernen des Stabes und das Üben der Grundbewegungen, wie Windmühle, Helikopter oder die Nackenrolle im Vordergrund. Wenn die Schülerinnen und Schüler diese beherrschen, liegt der Fokus zunehmend auf der Erstellung eines eigenen Filmes. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, zu Beginn der Stunde Videos von anderen Sportlern auf einem Laptop anzuschauen, um sich davon inspirieren zu lassen. Dies ist zum einen sehr motivierend, zum anderen stellen vorhandene Filme eine Anregung dar, sich Tricks abzuschauen und gemeinsam zu erarbeiten. Die Filme können vom Lehrer über youtube zur Verfügung gestellt oder auch von den Schülerinnen und Schülern mitgebracht werden. Danach werden im Halbkreis – in sogenannten Übungsphasen – schon bekannte Bewegungen von einzelnen Schülerinnen und Schülern demonstriert, geübt und auch neue einstudiert. Die Impulse für weitere Tricks erfolgen durch Internetrecherchen der Schülerinnen und Schüler, durch spontane Ideen oder durch die Lehrkraft. Während der Übungsphasen helfen diejenigen, die einen Trick schon beherrschen, ihren Mitschülern beim Erlernen.
An die grundlegenden Erfahrungen anschließend, arbeiten die Schüler selbstständig in kleinen Gruppen zusammen und üben die ersten Sequenzen ein. Diese bestehen zunächst nur aus den Grundbewegungen sowie einzelnen Tricks und werden im Laufe der folgenden Stunden immer weiter ergänzt. Schon in diesem frühen Stadium des Experimentierens werden die Jugendlichen gefilmt, um die Aufnahmen zu Beginn der nächsten Stunde gemeinsam anschauen zu können. Die Schülerinnen und Schüler haben so die Möglichkeit, sich selbst zu sehen und ihre Bewegungsabläufe selbstständig zu korrigieren.
In der Regel sind sie erstaunt darüber, wie gut ihre Bewegungen aussehen, was sie auch zum weiteren Üben motiviert.

Kämpfen mit einem Partner
Die Arbeit mit dem Partner findet zunächst während der Übungsphasen statt, mit der Aufgabe, sich gegenseitig zu korrigieren und zu helfen. Der choreografierte Kampf mit dem Partner sollte erst nach einigen Übungsstunden erfolgen, wenn die Schülerinnen und Schüler bereits einige Tricks beherrschen. Beginnt man zu früh mit den Partnerchoreografien, neigen die Schülerinnen und Schüler dazu, einen wilden Kampf mit wenigen Stabelementen zu inszenieren. Daher sollten sowohl bei den Übungen als auch bei den Sequenzen und Choreografien immer klare Bewegungsaufgaben gestellt werden: Was soll genau geübt oder auf was soll geachtet werden?
Bevor also mit den Partnerchoreografien begonnen wird, werden allgemeine Partner- und Vertrauensübungen mit den Schülerinnen und Schüler durchgeführt, um die Verantwortung dem Partner gegenüber zu verdeutlichen. Denn die Schülerinnen und Schüler müssen stets wissen, wann der Partner einen bestimmten Trick durchführt, um rechtzeitig darauf reagieren und ausweichen zu können. Diese Verantwortung gegenüber dem Partner sollte über alle Unterrichtseinheiten hinweg deutlich kommuniziert werden.

Ausblick
Gerade die ersten Schritte in Bo-Staff sind übungsintensiv und verlangen von den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Konzentration. Zur Entspannung
können die Übungsphasen mit kleinen Spielen aufgelockert werden. Allgemein empfiehlt es sich, den Schülerinnen und Schülern Tricks mithilfe von imaginären Bildern zu vermitteln.
Die Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler beim Erlernen von Bo-Staff ist sehr groß. Dennoch sollte sich die Lehrkraft zuvor mit dem Stab auseinandersetzen
und die Grundbewegungen einstudieren, um den Schülerinnen und Schülern bei den ersten Schritten helfen zu können. Ähnlich wie beim Jonglieren benötigt man ein wenig Geduld, bis die ersten Tricks funktionieren. Dann machen die Schülerinnen und Schüler schnell Fortschritte, denn viele Tricks sehen in der Regel deutlich schwieriger aus, als sie tatsächlich sind. Insbesondere ist in ersten Stunden das konsequente Wiederholen und Üben im Halbkreis wichtig.
Aufgrund der Übungsintensität ist Bo-Staff meines Erachtens für Gruppengrößen unter 15 Schülern geeignet. Beschränkt man sich auf die Grundelemente und nimmt sich eventuell Schülerinnen und Schüler, die bereits die AG besucht haben, als Co-Trainer zur Hilfe, ist Bo-Staff auch im regulären Sportunterricht denkbar.Ein Vorteil von Bo-Staff: Die Trendsportart kann von allen Jugendlichen unabhängig von Geschlecht und körperlichen Voraussetzungen betrieben werden. Dies ist gerade auch für weniger sportliche Schülerinnen und Schüler eine Chance, einen Zugang zum Sport zu finden.